DER KALENDERSTEIN von LEODAGGER
einer der bedeutendsten Steinzeitkalender Europas
GPS Koordinaten Kalenderstein : L 15 . 51' 36.30" B 48 . 43' 11.95"
Ein Felsblock mit Rutschstein,Visierspalt und Näpfchenstein (ca. 5 cm große Steinausreibungen) liegt in einem Feld der Weinviertler Ortschaft Leodagger bei Pulkau. Man nennt ihn "Kalenderstein". Er soll bereits in prähistorischer Zeit zur Sonnenbeobachtung gedient haben. Mit dem Visierspalt und den 16 Näpfchen als archaischem Kalendersystem war es möglich, sowohl Feiertage festzulegen als auch Aussaat- und Erntezeiten in der Landwirtschaft einzuteilen. Vermutlich handelt es sich um eine uralte Kultstätte, von wo aus die Sonnenbahn beobachtet und Fruchtbarkeitskulte am Rutschstein durchgeführt wurden. Leodagger wird im Ortsdialekt "Luidogga" ausgesprochen, was auf seine uralte Funktion als "Lichtacker" hindeuten könnte.

Rutschfelsen für FruchtbarkeitskulteKalender mit 16 Monaten? 11.400 Jahre alt?
Seine 16 Näpfchen haben auf den ersten Blick so gar nichts mit unserem Kalender gemeinsam. Weder haben wir 16 Monate im Jahr, noch ist ein Mondzyklus 16 Tage lang.
Wenn man aber alte Kalenderrechnungen heranzieht, dann könnte dieser Stein auf das 16 monatige Sonnenjahr der Megalithzeit, also Steinzeit, hindeuten. Diese Vermutung äußert der Wiener Naturwissenschaftler Dr. Alfred Kappl in seinem Buch "Das Geheimnis der Feenhaube". Darin setzt er den Kalenderstein in Beziehung mit den Kogelsteinen bei Eggenburg, dem "österreichischen stonehenge". Er bezeichnet den Platz des Kalendersteins von Leodagger als Sonnen- und Quellheiligtum und Teil dieses prähistorischen Observatoriums. Die Entfernung zur Feenhaube beträgt 8.400 m, für Kappl ein eindeutiger Beweis für eine megalithische Masseinheit, nämlich 10.000 Mal die so genannte "megalithische Elle" von 0,84 m.
Dr. Kappl deutet die Löcher des Steins als Markierungen, mit deren Hilfe Sonnenstände und damit der Kalender bestimmt wurden. Er errechnete mittels Computerprogramm, dass diese Peilpunkte bereits 9.400 Jahre vor unserer Zeitrechnung angelegt worden sein müssen, somit also 11.400 Jahre alt sind. Ein verblüffendes Zeugnis der astronomischen Kenntnisse der Steinzeitmenschen.
Frühlings- und Herbst- Äquinoktium
Gemeinsam mit dem davorstehenden Menhir dient der Kalenderstein auch heute noch zur Beobachtung der Tag- und Nachtgleichen. Die Sonne erscheint dann genau zwischen dem Menhir und dem Näpfchenstein, nach heutigem Datum 22.3.und 22.9.
Wer diese beschriebenen Peilungen fotografieren möchte, sollte früh aufstehen und sich in Verlängerung des Spalts zwischen den Menhir und den Kalenderstein postieren. Auch die jeweiligen Sonnenuntergänge sind eindrucksvoll. Mit einer ewigen Präzision funktioniert der Kalenderstein auch heute noch.
Frau Judith Brunner aus Leodagger hat sich am 21.3.09 auf die Lauer gelegt und diese einmaligen Bilder vom Sonnenuntergang geschossen. Wir danken für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.



Ein Kopf mit offenem Mund verschlingt die Abendsonne am 21.3.
Gedicht von Frau Friederike Puschnik
D´Sun geht auf und D´Sun geht unter
überm Kalenderstoa des is´a Wunda,
weil er hot oben sechzen Lukan,
an Stob der tuat den Schotten rukan,
do ham de Bauern olweil gwißt
wans Zeit zum Erdäpfelegen ist.
Er hot a ganz bestimmte Strohlung
die bringt dein Innerstes in Wollung
drum gemma rutschn aufn Stoa,
die Weiberleitln groß und kloa,
die einen wengan Kinderkriagn,
de andan wegen da Hetz,
vielleicht geht goa a Mo ins Netz,
wonst Kopfweh host und bist goar krank
geh hin zum Stoa und woart net lang,
zieg d´Hosn aus und setz di drauf
und glei hörts Leiden wieder auf.
Drum sama stolz auf unsern Stoa,
er steht scho ewig do am Roa.
Die untergehende Sonne am 21.3.09 (foto g.fritz)

